Mit der Auflage, nach der Hälfte der Aufenthaltszeit China verlassen zu müssen, hat mir die Visabehörde einen schönen Kurzausflug in die “Região Administrativa Especial de Macau da República Popular da China” beschert.
1999 ging Macao aus der Hand der Portugiesen wieder zurück an China, nach dem (aus Hongkong bekannten) System “1 Staat – 2 Systeme”: Macao genießt Autonomie mit Ausnahme der Verteidigung und Außenpolitik. Damit war Macau war die erste und auch letzte europäische Kolonie in auf asiatischem Boden.
Als Deutscher kommt man ohne Visum nach Macao, man muss sich aber trotzdem in die langen Schlangen vor den Passkontrollen im überdimensionalen Grenzgebäude einreihen. Tritt man aus dem Gebäude, trifft man statt auf mediterranen Charme erstmal auf eine Wand grauer Betonplattenbauten und fragt sich, ob man jetzt wirklich schon “drüben” ist. Doch die konsequente zweisprachige Beschilderung (Chinesisch / Portugiesisch) und die Weihnachtskrippe hinter den Zollkontrollen geben Gewissheit: Hier ist zwar China, aber doch irgendwie anders!
Im Taxi wird – links eingestiegen, denn hier herrscht Linksverkehr. Dem Taxifahrer versucht klar zu machen, wo meine Hospederia ist: Englisch – nun ja, das war töricht. Portugisisch? Auch nicht. Mandarin? Fehlanzeige. Und jetzt? Wild auf die Karte gedeutet und tatsächlich hat er mich in die Nähe gebracht.
Und was lernen wir daraus? Der überragende Prozentsatz der Einwohner spricht nur Kantonesisch, wobei der Einfluss von Mandarin am Steigen ist, seitdem die chinesische Regierung es neben Portugisisch zur offiziellen Landessprache erklärt hat. Das besodere Macaista, ein portugiesischer Dialekt, wird nicht mal mehr von 1% der Bevölkerung gesprochen.
Macao ist einer der dichtbesiedelsten Orte der Welt: Auf 28 Km² leben etwa 560.000 Einwohner. Zum Vergleich Frankfurt: 250Km² Fläche und ca. 660.000 Einwohner. Das scheint den Einwohnern jedoch nicht zu schaden – Macao ist das Land mit der höchsten Lebenserwartung weltweit!
Das Stadtbild dominieren entweder alte, das ungeschulte Auge möchte sagen “hässliche” Wohnhäuser und moderne neue Hotels und Casinos – für letztere ist Macao berühmt und ihre Abgaben machen 25% der Staatseinnahmen aus.
Untergekommen bin ich in der Hospederia SanVa, die sehr schön in der Rua da Felicidade nahe der Hauptachse Avenida Almeida Rebeiro. Ein Bett kostet rekordverdächtige 10 HKD die Nacht, dafür berühren die Wände weder Boden noch Decke und die sanitären Anlagen teilt man mit den anderen Gästen. Für eine Nacht okay.
An den Touristeninformationen gibt es kostenlose Stadtkarten und auch einen Führer mit einem Rundgang zu den Weltkulturerben sowie ein Heft mit den Beschreibungen aller Kirchen in Macao. Wer mich kennt weiß, ahnt, was ich die restliche Zeit gemacht habe.
Der alte Spruch, man fände das traditionelle China einfacher außerhalb der Landesgrenzen, trifft hier mal wieder zu. Man kann durch viele kleine Gässchen lustwandeln, in denen sich kleine Handwerkerbetriebe und Konditoreien aneinanderreihen. Man muss aufpassen, nicht über die kleinen “Altäre” zu stolpern, die neben fast jeder Eingangstür das Einstecken von Räucherwaren erlauben. (Nein, keine Aschenbecher.
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Es gibt noch einige Plätze und Prachtstraßen, die immernoch ihren mediterranen Charme ausstrahlen. Und nicht zu vergessen, die nicht wenigen Kirchen, die die Portugiesen gebaut haben. Am berühmtesten natürlich die Ruinen der ehemaligen Jesuitenkirche Sao Paulo, dem Wahrzeichen Macaos und der Platz Leal Senado. Seitdem die Chinesen Macao übernommen haben, heißt das Rathaus aber nicht mehr so wie der Platz, sondern “Instituto para os acuntos civicos e municipais” – Pekings Handschrift ist deutlich erkennbar!
Anonsten gibt es nicht viel zu berichten; ich habe Abends noch einen Abstecher ins Casino Lisboa gemacht, aber mein Geld für mich behalten. Zuzuschauen, wie angespannte Zocker und die jungen Gespielinnen alter Bonzen gemeinsam gegen den Zufall antreten, macht schon genug Spaß!
Wer auf Geschichte steht, dem empfehle ich einen Besuch des alten Protestantischen Friedhofs der East India Company, auf dem man unter alten Bäumen zwischen den Geschichten von Menschen einer scheinbar unendlich fernen Zeit entlanggehen kann.


















